3. Konzert der Reihe 
"Sprachmusik und Musiksprache - 
neue Musik Kölner Komponisten" 
des Instituts für Phonetik. 
13. Februar 2001
Einlaß 19:30 Uhr, Beginn 20 Uhr 
Aula 2 Hauptgebäude
Universität zu Köln

Programm | Stoffel | Barolsky | Tung | Märkel | Heike | Muenz | Wagner

Harald Muenz
geb. '65 in Schwäbisch Hall. Studium in Detmold (Tonmeister), Köln (an der Musikhoch-schule: Kompositionsdiplom, Klavier, Kammermusik bei K. Oldemeyer, später Elektroni-sches Studio bei H.-U. Humpert; an der Universität: Phonetik bei G. Heike, Romanistik, Mu-sikologie) und Stuttgart (Komposition)
Komposition bei H. Lachenmann ('94-'97), K. Meyer ('88-'93), sowie bei J. Fritsch, K. Bar-low, Z. Krauze, G. Ligeti, M. Kagel
Kompositorische Schwerpunkte: artikulatorische Sprachkomposition, Ars Acustica
Stipendien/Auszeichnungen: Arbeitsaufenthalt Villa Aurora Los Angeles, Stiftung Kunst und Kultur NRW, Graduiertenförderung Musikhochschule Köln, Förderpreis Musik des Landes NRW, Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium Köln, Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf, Darm-städter Ferienkurse u.a. Ehrenamtlich im Vorstand der Kölner Gesellschaft für Neue Musik, musikalischer Berater des Italienischen Kulturinstituts Köln und der Kunst Station St. Peter, Kulturrat Köln, diverse Juries
Lebt in Köln als freischaffender Künstler. Nebentätigkeiten als Autor, Fachübersetzer (italie-nisch-deutsch) und Pädagoge für Neue Musik.

BeethovEnBloc - Tonbandkomposition mit den siebenunddreißig Sätzen der neun Sinfonien Ludwig van Beethovens

Realisation: Studio des Komponisten
Dauer: 926
UA: 01.12.2000, Köln, Elektronisches Studio der Musikhochschule, Aulakonzert Neue Musik LXV

BeethovEnBloc ist meine persönliche Stellungnahme zu einem Monument deutscher Leid-kultur [sic!]. Alleiniges Material dieser Komposition sind die klingenden siebenunddreißig Sätze der neun Sinfonien Ludwig van Beethovens.

Nachdem ich mich um möglichst viele verschiedene Einspielungen der Sinfonien bemüht hatte, wurden die Aufnahmen zunächst technisch bereinigt, vollausgepegelt und vermessen. Für jede Sinfonie errechnete ich dann eine mittlere Satzlänge als Durchschnittswert der Spieldauern ihrer Einzelsätze. Anschließend brachte ich alle Sätze einer Sinfonie durch time stretching auf diese Länge, ohne dabei die Tonhöhen zu verändern. Das zeitaufwendige Transformationsverfahren ergab mitunter recht extreme Stauchungen oder Spreizungen des Originals. Auf diese Weise erhielt ich zunächst jede Einzelsinfonie als kompakte Überlage-rungsform all ihrer Sätze. Diese neun Blöcke sind auch separat aufführbar.

Im nächsten Schritt wurde wiederum die mittlere Dauer dieser neun Gefüge (und damit zu-gleich die aller siebenunddreißig Sätze) bestimmt, sodann - erneut ohne Tonhöhenverände-rung - jeder einzelne Komplex auf diese Länge von 9 Minuten 26 Sekunden gebracht. Schließlich überlagerte ich die neun Strukturen und erhielt so einen kompakten Block aller Beethovenschen Sinfonien.

 Die Klangkomposition ermöglicht der Wahrnehmung Einblicke, die "Ludwig Van" sonst eher nicht gewährt. Zunächst scheint das durchgehende Fortissimo fürs Hören relativ anstrengend, doch dann erstaunt einen die Transparenz des Klangs. Welcher der siebenunddreißig Sätze ist momentan der Stärkste? Hat man sich erst einmal auf die Lautstärke eingelassen, fallen über-geordnete Dynamikbewegungen der halluzinierenden Klangflut ins Ohr. Schließlich kann man durch weiteres Fokussieren der Wahrnehmung in dem leuchtenden Gewirk unzählige Einzelfäden verfolgen.