"Raummusik und so"
8. Konzert der Reihe "Sprachmusik und Musiksprache: 
Neue Musik Kölner Komponisten" des Instituts für Phonetik 
in Zusammenarbeit mit Kunstschalter e.V.
Donnerstag, 31. Oktober, 2002
Einlaß 19:30 Uhr, Beginn 20 Uhr
Kunstwerk, Deutz-Mülheimer-Str. 127
Eintritt frei. 

Programm | Steins | Haerpfer | Jansen | Fabian | Specht | Stoffel | Rebbe | Münz | Koch | Wagner

Harald Münz
(geb. 1965) studierte in Detmold (Tonmeister), Köln (Kompositionsdiplom bei K. Meyer, Elektronisches Studio bei H. U. Humpert und Phonetik bei G. Heike) und Stuttgart (1994-97 bei H. Lachenmann). Seminare bei J. Fritsch und C. Barlow. Neben Kam-mer-, Orchester- und Vokalmusik widmet er sich besonders artikulatorischer Sprach-komposition, radiophoner Ars Acustica und computergestützten Konzepten. Preise, Stipendien, Aufträge und Radiosendungen in vielen europäischen Ländern, Korea und den USA. 2002 Herausgeber einer Buchpublikation über Franco Evangelisti (Saarbrücken: Pfau). Muenz lebt in Köln als freischaffender Künstler und ist daneben als Radio- und Printautor sowie Dozent im Bereich Neue Musik tätig. Seit 2001 Lehrauftrag am IPK der Kölner Universität für Aesthetische Phonetik, der sich der Erarbeitung und Auf-führung arti-kulatorischer Sprechkunst widmet. Aktuelle Informationen unter www.haraldmuenz.de

reading (2002)
hacking writing be4 the 9th time 4 2 live speakers & 8-track-tape

[duo: archaeopteryx]: Armin Sommer, Ulrich Ludat
Harald Muenz, Klangregie

reading basiert auf meiner Komposition „writing (1998) für zwei Spieler an einer kontaktmikrophonierten Großen Trommel und Klangregisseur“. In diesem älteren Stück ist eine flachliegende Große Trommel mit Mikrophonen präpariert. Sie wird vierhändig auf alle möglichen und unmögli-chen Arten traktiert. Der Originalklang wird per Lautsprecher in den Saal zurückgegeben, dabei mit dem (zwanzig Sekunden zeitverzögerten) Mitschnitt der vorausgegangenen Auf-führung gemischt und vom Klangregisseur geregelt. Auf diese Weise schreibt das Stück beständig am Palimpsest seiner eigenen Aufführungsgeschichte, die zugleich immer präsent ist. Die drei Spieler benutzen Stopuhren und folgen einer festen Par-titur, die zugleich unterschiedliche Freiheitsgrade eröffnet.

writing wurde von Januar 1999 bis Oktober 2002 insgesamt achtmal aufgeführt – Zeit, vor der neunten Wiedergabe (im März 2003 in Mainz) eine akustische Inventur durchzuführen, bei der writing „gehackt“ wird: reading surft achtkanalig durch writings bisherige Aufführungsmitschnitte und wird zur Metakomposition auf der Basis der existenten Metakomposition. writing ist dem [duo: archaeopteryx] gewidmet, das alle vergangenen Aufführungen gespielt hat. Daher treten in reading zum Tonband die beiden Interpreten (Armin Sommer und Ulrich Ludat), allerdings nicht um zu spielen, sondern für eine Lesung aus ihren writing-Partituren...mit kleiner Reverenz an John Cages 90. Geburtstag.

Die writing-Story:

  • Produktion des ursprünglichen Zuspielbandes: 9. Januar 1999, Köln, Feedback Studio
  • Uraufführung: 16. Januar 1999, Leipzig, Festival atemlos, Schaubühne im Lindenfels
  • 2. Aufführung: 27. Juni 1999, Saarbrücken (Altstadtfest) "Garage"
  • 3. Aufführung: 15. Oktober 1999, Köln, Konzertsaal der Musikhochschule
  • 4. Aufführung: 14. Mai 2000, Los Angeles, Californian Institute of the Arts, Main Gallery
  • 5. Aufführung: 29. Juli 2000, Trier, Thermen am Viehmarkt
  • 6. Aufführung: 5. April 2001, Köln, Alte Feuerwache
  • 7. Aufführung: 29. September 2001, Schreyahner Herbst
  • 8. Aufführung: 14. Juni 2002, Trier, Tuchfabrik
  • Uraufführung von reading: 31. Oktober 2002, Köln, Kunstwerk
  • 9. Aufführung: 9. März 2003, Mainz, Fort Malakoff (Mitschnitt SWR)